Michelle fliegt zu den Delfinen


Heidenburg. Bei Familie Hoffmann in Heidenburg dreht sich in diesen Tagen alles um ein und dasselbe Thema. Am 27. Oktober werden die fünf - Mutter, Vater und drei Kinder - nach Curaçao fliegen. Die zehnjährige Michelle, die an frühkindlichem Autismus leidet, hat dort einen Platz bekommen in einer zweiwöchige Delfintherapie, in die die gesamte Familie eingebunden wird. Die Welle der Hilfsbereitschaft, die diese Therapie ermöglicht hat, empfindet Michelles Mutter Narine nach wie vor als überwältigend. Viele der Spender - darunter Firmen und Arztpraxen ebenso wie Privatleute - haben weder sie noch ihr Mann gekannt. Daher ist es der 36-Jährigen ein Bedürfnis, sich ausnahmslos bei allen zu bedanken, die ihrer Tochter Michelle zur Delfintherapie verholfen haben. Allen voran nennt sie die Jugendkulturgruppe Heidenburg, die im vorigen Jahr die Initiative ergriffen hatte. Sie selbst habe damals zwar von der Möglichkeit einer Delfintherapie gewusst, nicht aber nicht gewusst, wohin sie sich hätte wenden können. Aus Aktionen wie dem jährlichen Weihnachtsrock brachten die Jugendlichen einen Betrag von 2500 Euro zusammen. Die Spende erfolgte über den Haager Förderverein "Schwerstkranke Kinder Hunsrück", der wiederum weitere 2100 Euro beisteuerte.

Gerührt hat die Familie zudem die Spendenaktion von Heidenburger Kindern. Diese hätten am Weihnachtsmarkt selbst gebastelte Artikel verkauft. Das Material dafür hätten sie von ihrem Taschengeld bezahlt, erzählt die Mutter beeindruckt. Beim Heidenburger Pfarrfest waren zudem die Hälfte des Erlöses sowie der Inhalt einer Sammelbüchse für Michelle bestimmt. Knapp 1200 Euro kamen so zusammen. Alles in allem summieren sich sämtliche erhaltene Spenden auf rund 10 500 Euro. Diesen gegenüber stehen Therapiekosten (einschließlich Flug und Unterkunft) von 10 400 Euro.

Vor Jahresfrist hätte es die Familie nicht für möglich gehalten, dass sich die Hoffnung auf eine Delfintherapie so rasch erfüllen könnte. Sie habe gedacht, dass es vielleicht mal in drei Jahren damit klappen könnte, erinnert sich Narine Hoffmann. In den vergangenen Wochen hat sie daher versucht, ihre Tochter auf die Reise vorzubereiten. Sie habe ihr erzählt von dem langen Flug, den sie alle machen wollten, und dass sie dort mit Delfinen spielen werde. Ob Michelle sich davor ängstigt, weiß sie nicht: "Autistische Kinder können keine Angstgefühle zeigen - sie müssen sehen, tasten und spüren." Bemerkbar mache sich die Erkrankung bei Michelle vor allem durch Schwierigkeiten im Sozialverhalten. Sie habe Probleme, "mit Gleichaltrigen zurechtzukommen - oder überhaupt mit Kindern". Sie ziehe sich dann einfach zurück und beschäftige sich mit sich selbst. Seit ihrem dritten Lebensjahr besucht Michelle daher regelmäßig das Autismus-Therapie-Zentrum in Trier. Früher war sie dort zweimal wöchentlich, was sich durch den Schulbesuch auf einmal die Woche reduziert hat. Dank der Unterstützung einer Integrationshelferin besucht sie heute in Heidenburg die vierte Klasse. Was sie besonders freut ist, dass sich ihre Tochter "im Normbereich" entwickele und lesen, schreiben und rechnen könne.